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Basicly, Kobus!

Interview mit Waldemar Kobus




Vor ein paar Tagen hatte GreekGeek die Chance Waldemar Kobus, einen der Hauptdarsteller des großartigen Paul Verhoeven Films ZWARTBOEK zu interviewen.
Kobus spielt den "fiesen" Franken, der schon einigen Besuchern, der Filmfestspiele in Venedig, Angst und Schrecken eingejagt hat!



GG: Wir müssen ja nicht nach meiner Interview-Fragen-Liste gehen, wir springen einfach rum. Fangen wir mit der Zusammenarbeit mit Regisseur Paul Verhoeven an.

WK: Ja. Mit dem arbeiten, das war ein Riesen Geschenk. Dieses zeitlose heftige Energiebündel, dieses Stilistisch eigenständige Teil Energie..

GG: Also ist er wirklich so wie er in den "Making of's" rüberkommt.

WK: Ja, ist er!

GG: Oder seinen Kommentaren auf der DVD. Das sind ja die besten Audio Kommentare die es gibt...

WK: Die haben ich mir noch nicht angehört...

GG: Man lernt (als Filmemacher) in jeder Minuten etwas und macht Spaß ihn zuzuhören. Er spricht ja auch so niedlich (GreekGeek ist ein Fan des Holländischen Akzents!!) Zum Beispiel den Kommentar mit Schwarzenegger auf der TOTAL RECALL DVD, die zusammen...

WK: Nein echt, muss ich mal machen

GG: Ist wie 'ne Comedy Show

WK: Du, der kann furchtbar schlecht gelaunt sein wenn etwas so nicht läuft wie er will, dann strampelt er und delegiert und schickt rum bis alles passt...

GG: Aha

WK:... er kann aber auch so was von emphatisch sein wenn er glücklich ist,.. der mutiert zum kleinen Kind. Der Mann ist alterlos. Das ist einfach pure Energie.

GG: Gesund ist er, oder? Da war doch so eine Operation...

WK: Du, das war eine harmlose Sache, die hat ihre Zeit gebraucht und er musste damit gründlich sein, aber...

GG: Da hat es die Presse wahrscheinlich größer gemacht als es war.

WK: Presse darüber hab eich gar nicht mitgekriegt, aber es war eine relativ harmlose Operation die einige Zeit Nachbereitung gebraucht hat.

GG: Gut! Also ist er wieder Fit!

WK: Komplett! Komplett! In Holland an einem Tag, diese Szene auf dem Schnellboot - die Flucht von Franken, Waldemar Kobus Charakter - als wir die gedreht haben, da hat er sich irgendwann am frühen Vormittag das Schienbein angehauen und zwar so richtig übel aber.. er hat sich nichts anmerken lassen, ist rumgelaufen auf dem Boot, hat vorgemacht wie die Fahne wegzunehmen ist, wie das sein sollte wie er sich dies vorstellt, ist den ganzen morgen da noch rumhantiert und am Abend hab ich dann sein Bein gesehen, das war 'ne dicke offene Wunde, das war richtig heftig, aber das steckt er dann einfach so weg - Ist Arbeit, ist Sonderchemie, durch!
Da redet er noch nicht mal von. Erst seine Assistentin, die hat ihm dann das am Abend entlockt. "Was ist denn das an deinem Hosenbein" sagte sie zu ihm. Und er dann "Oh, das ist wohl Blut"

GG: Dann ist er wohl genauso wie seine Filme!

WK: Ja ist er!

GG: Blut und Gewalt läuft ja nebenher. Er weist nicht drauf hin!

WK: Ja, der hat das absolut nicht nötig da mit so etwas aufzupeppen. Das ist dann halt so, es gehört zur Realität in der er sich bewegt und fertig. Dann fließt da halt Blut. Das ist einfach nebenbei, da wird sich gar nicht drauf ausgeruht.

GG: Das ist auch so die Presse hat über diese Färb-Szene berichtet und wenn man den Film sieht kommt die so nebenher, dass man denkt "ach so, davon hab ich ja schon was gelesen" und nicht "oh jetzt kommt die Szene"! Es passiert ja mitten in einem Dialog, es ist ja keine Nahaufnahme, wie es vielleicht jemand anders gemacht hätte. Deswegen fällt alles nicht mehr so auf, es ist nicht mehr so provokant wie früher. Wenn man seine Filmsprache kennt gehört das wohl dazu.

WK: Also provokant finde ich es immer noch. Es zeichnet sich nur dadurch aus dass es nicht als Eigennutz provokant ist, sondern wie du sagtest, eingebettet ist, in diese Welt in diesem Kosmos in dem er seine Handlung, in dem er sein Konstrukt Film jetzt grade ansiedelt.
Es gehört einfach dazu. Das ist kein Eigenläufer wie "O, jetzt will ich aber irgendwas machen um zu provozieren" Ne, braucht er nicht!



GG: Wozu auch!
Hat Verhoeven ab und zu erzählt, ich meine er arbeite bereits seit 20 Jahre an dieser Story, ob da verschiedene Änderungen drin waren. Ob z.B. vor 10 Jahren dieses und jenes geplant war, ob die-und-die Figur dies gemacht hat oder jenes... oder ist das eher schon das Gesamtgerüst wie er sich die Geschichte vorgestellt hat?

WK: Ne, ne! An dem Plot hat sich viel verändert, die Einzelfiguren sind vom Grundkonzept aus gleich geblieben. Da hat es so einen Generalentwurf der Figuren gegeben und die sind dann gleich geblieben, die Verstrickungen zwischen den Figuren die sein immer komplexer geworden. Zwischendurch hat er auch einmal aufräumen müssen, hat ein paar Verstrickungen wieder rauslassen müssen...

GG: Hat man den Drehbuchautor (Gerard Soetman) ab und mal mitbekommen am Set?

WK: Ganz selten, den Soetman. Der war ein paar Mal da...

GG: Also gab’s keine Momente wo er schnell umschreiben musste...

WK: Wir haben Leseproben vorher gemacht. Und da hat der Paul Verhoeven extra vorher gesagt, "so wenn ihr fundamentale Textänderungen vornehmen wollt, dann meldet es jetzt bitte!" Da wäre noch Zeit gewesen mit Herrn Soeteman noch dran zu arbeiten. Dann hätte man da alles mit ihm noch mal durchplanen können.

GG: Wie wird denn der Titel noch mal ausgesprochen?

WK: Swartbuk! Das OE (aus ZWARTBOEK) wird als U ausgesprochen. Und OU wird AU ausgesprochen. Carice van Houten (Hauten).

GG: Nicht Houten?

WK: Ne, das ist wie bei dieser alten Schokoladen Firma "Von Houten"

GG: Jetzt sehr ich die überall! Ich hab letztens bei ebay nach ZWARTBOEK gesucht und da gab’s die original Schokolade (Anmerk: die Schokoladen Geschichte jetzt hat nicht mit den "Van Houten" Schokoladen zu tun), die "wichtige" (also keine Spoiler hier) aus dem Film und die durfte man als ebay Deutschland Kunde nicht ersteigern. Da war eine Warnmeldung, dass dies für Bieter aus Deutschland nicht erlaubt sei!

WK: Ah!

GG: Ist da was drin was man nicht essen darf? Zu viel Zucker?

WK: Ich weiß es nicht. Das wundert mich auch, weil es im Film auch eine englische Schokolade ist. Natürlich haben die deutschen Verleiher Angst um Applaus aus der falschen Ecke... das die Neo-Nazis sich einen drauf runterholen.

GG: Wobei?

WK: Hm, ist die große Frage. Stimmt! Aber falls es wirklich ein paar denkende Rechtradikale gibt werden die sich natürlich wahnsinnig darüber freuen, dass auch die Holländer mal halbseiden abschneiden, aber... das ist auch eigentlich schon. Ansonsten könnten sich diese Leute höchstens über die historischen Abbildungen freuen und dass das Horst Vessel Lied gesungen wird. Das ist auch das einzige wo man sich nationalistisch dran hochziehen kann.

GG: Die Lieder wurden von Carice Van Houten alle selber gesungen oder?

WK: Ja, ihre Songs hat sie alle selber gesungen. Hat auch vorher ein bisschen Gesangstraining genommen, hat an ihrer Aussprache gefeilt.

GG: Deutsch konnte sie vorher schon...?

WK: Da hat sich auch wirklich lang rumgekniffelt und das klingt auch ziemlich gut!



                                      (Carice Van Houten)

GG: Wie hat sich denn überhaupt Verhoeven verständigt. Hat er jeden in seiner eigenen Sprache angesprochen? Denn er kann ja auch Deutsch, oder?

WK: Ja aber nur ganz wenig.

GG: Ach so!

WK: Hauptsächlich Englisch aus Rücksicht auf uns Deutsche am Set.

GG: Waren ja mehrere gewesen.

WK: So viele auch nicht. Es waren Sebastian (Koch), Christian Berkel, der Karl Walter Lindenlaub (Kamera) seine beiden Assistenten Xaver und Wastel. Klasse. Spitzenteam! Der Xaver der hat Schärfen genommen das ahnst du nicht. Der hat sich an die Kamera gestellt, hat einen Finger auf den Messpunkt des Objektivs gelegt, hat die andere Hand ausgestreckt, kurz die Lippen bewegt, nachgerechnet und "alles klar"! Es gab keine Schärfenprobleme. Ich hab so was nicht erlebt. Ich kenn sonst Kamera Assistenten mit dem Maßband usw. und der macht das einfach so! Echt irre. Ein kleines Bonbon am Rande!

GG: Wie kam's überhaupt das Verhoeven jetzt mit Director of Photography Karl Walter Lindenlaub zusammengearbeitet hat. Sonst hat er ja häufig mit Jost Vacano gedreht?

WK: Ich weiß auch nicht wie es zu diesem Wechsel kam. Verhoeven hat an Anfang der Dreharbeiten den Karl Walter manchmal noch mit Jost angesprochen.

GG: (lacht) Aber die beiden sehen sich ja nicht mal ähnlich. Vom Alter mal ganz abgesehen!

WK: Ne, ne? Eigentlich nicht! Aber dann haben sie sich sehr aneinander gewohnt und haben sich gegenseitig einiges geben können, so wie ich das mitgekriegt hab, aber das frag die beiden lieber mal selber. Ich hatte so das Gefühl "oh, da lernen sich zwei gerade richtig kennen".

GG: Lindenlaub hat ja auch ein ganzes Stück Hollywood Erfahrung.

WK: Das stimmt.
Um noch mal auf die Ausgangsfrage zu kommen: Verhoeven hat hauptsächlich Englisch gesprochen obwohl nur sehr wenige Leute am Set nicht Holländisch sprechen konnten. Auch bei der Leseprobe, das war ganz irre, das war wie ein Klassentreffen. Da kamen dann die ganzen Leute zusammen die zwanzig Jahre lang nicht mehr miteinander gearbeitet hatten und es war großes Revival. Da war Derek DeLindt, dann der Thom Hoffman (aus DE VIERDE MANN) und noch ein paar Darsteller aus SOLDAT VAN ORANJE. Es war wirklich irre zu dieser Leseprobe zu kommen und alle reden Englisch nur damit diese drei deutschen Hansel sich nicht ausgeschlossen fühlen.



                         (Waldemar Kobus und Halina Reijn)

GG: Wie war das denn? Wie kam das Angebot zu diesem Film?

WK: Es war Risa Kees die mich da vorgeschlagen hat. Tolle Casterin! Gott hab sie selig. Sie ist letztes Jahr gestorben. Die hat mich dann eines Tages angerufen "Waldemar es gibt da ein casting. Ich schick dir alles nötige als Fax, deine Agentur weiß bescheid". Und hat auch gar nicht großartig Paul Verhoeven erwähnt, das hab ich dann erst auf dem fax gelesen und dachte dann wird da ein Assistent von Herrn Verhoeven anwesend sein und dann geht es bestimmt um eine kleine Tagesrolle, wo man einmal durch Bild rennt und sie dafür keinen Statisten nehmen oder so was, dachte ich.
Dann kam ich zum casting und dann kam ein grauhaariger Herr auf mich zu, schüttelte mir die Hand und sagt "Hallo nice to meet you, my name is Paul Verhoeven" und ich guck ihn an und sage "No, no, nice to meet you". Wir setzten uns hin und er fängt an zu erzählen "Let's sit down, let's talk about the book and your part in it" Er fängt an zu erzählen... 2 Minuten lang, 5 Minuten, 10 Minuten... und ich denk nur "das ist keine Tagesrolle... das ist mehr... das ist 'ne große Rolle" Und irgendwann nach 'ner Viertelstunde "So, let's try the scene. We've got a partner engaged for you and... so let's start". Und dann haben wir es durchgespielt, er hat das verändert, er wollte jenes anders haben... Ganz zum Schluss habe ich ihn gefragt ob ich vielleicht eine ganz andere Version anbieten dürfte. "Yes, fine. Thanks a lot!" ich weiß nicht mehr wie der genaue Wortlaut war, aber er sagte zum Schluss, "wir hören von einander".
Dann bin ich da raus und konnte es erstmal nicht glauben, dass ich da grad Paul Verhoeven getroffen hab. Dann hat mich dann noch eine Stunde später ein leises vibrieren erwischt, hab meine Frau angerufen, hab mich von meiner Agentin mit den Worten verabschiedet "Egal ob hieraus was wird oder nicht, aber vielen Dank für diese Begegnung mit diesem Mann. Vielen Dank!" Allein das Casting war, wow, eine tolle Begegnung. Das dann daraus noch so eine tolle Rolle geworden ist,... Halleluja!

GG: War die Probeszene eine Szene die es im Film gibt oder war das nur eine Testszene!

WK: Ja, es war die Szene im Folterkeller. Dieses Verhör "Du bist nur ein kleiner Haufen Scheiße auf unserem Weg zum Endsieg". Ja!

GG: Du kanntest Verhoeven, als Regisseur, aber vorher schon, oder?

WK: Ja!

GG: Was waren deine Favoriten bis dahin?

WK: Ich hatte noch nicht so viele gesehen. STARSHIP TROOPERS fand ich irre, fand ich großartig! Und TOTAL RECALL, da fand ich’s wahnsinnig, das ist mir aber später erst klar geworden: "was ein geiler Schwarzenegger Film". Dann hab ich erst gesehen dass Paul Verhoeven gemacht hat. Da dachte ich "Logo, klar" Dann natürlich SOLDAAT VON ORANJE kannte ich,... das war’s dann!

GG: BASIC INSTINCT?

WK: Doch BASIC INSTINCT natürlich!

GG: SHOWGIRLS?

WK: SHOWGIRLS nicht. SHOWGIRLS hab ich immer noch nicht gesehen! (lacht)

GG: Noch nicht?

WK: Nein! (lacht)



GG: Ab wann wusstest du, dass du Schauspieler werden wolltest. Was war das Ausschlaggebende! Weswegen Schauspieler? Wann fings an? Schule?

WK: Ja! Das war so irgendwo, es war 'ne komische Entwicklung. Ich hatte eigentlich nach der 4.Klasse auf Gymnasium gehen sollen und hatte zu viel Angst vor fremden Menschen um das zu tun, weil da hätte ich mit dem Schulbus fahren müssen und die Vorstellung mit fremden Menschen da im Schulbus zu sitzen, die war mir so zuwider, dass ich mich geweigert hab aufs Gymnasium zu gehen.
So und dann bin ich zur Hauptschule gegangen und in diesem 5. Jahr Hauptschule, da hab ich dann bemerkt, dass ich die Leute mit Clownerei zum lachen bringen kann und das lachende Menschen ungefährliche Menschen sind.

GG: Das stimmt!

WK: Ja und dann hab ich mich getraut aufs Gymnasium zu gehen. Da wurde aus der kleinen Clownerei - es hat mir irgendwann gestunken, dass die Leute nur über mich lachen - dann hab ich versucht denen auch noch andere Sachen vorzuspielen. Und irgendwann wurde ich dann gefragt ob ich nicht in der Schultheatergruppe mitmachen möchte. Dann merkte ich "Boh, das ist geil auf der Bühne zu stehen, dass man so schön hellwach sein muss, dass man genau in dem richtigen Moment genau das richtige machen damit die Leute einen nicht beim schummeln erwischen. Damit die einem das glauben was man denen da vormacht.
Dann wurde daraus später, dass man sich selber was vormachen muss, dass man das dann selber glauben muss!
So entwickelt es sich ständig weiter. Ich glaube der Anstoß war wirklich die Angst vor anderen Menschen, vor Fremden. Es verändert sich nach wie vor ständig. Mein Antrieb schauzuspielern,... vor fünf Jahren wollt ich den Beruf hinschmeißen, bin vom Theater abgehauen weil ich die Schnauze so richtig voll hatte, wollte kein Theater mehr machen, aber dann kamen viele Drehangebote und drehen, das ist ein Arbeitsprozess den mag ich sehr...

GG: Besteht ein großer Unterschied zwischen Theater und Film...

WK: Es besteht ein deutlicher Unterschied!

GG: Gibt es einen großen Unterschied zwischen TV und Kino? Außer das familiäre?

WK: Je nachdem. Es gibt wahnsinnig gründliche, liebevolle, aufwendige TV Produktionen, es gibt eindeutig einen Unterschied im Zeitdruck, also wir hatten bei ZWARTBOEK Tage mit 50 Sekunden auf dem Drehplan, also vor Stoppzeit der zu drehenden Szene 50 Sekunden! Beim Fernsehen, versuch da mal einen Tag unter 5 Minuten zu finden. Auch die meisten Kinofilme werden ja mittlerweile in Deutschland mit sehr viel Zeitdruck gedreht. Für manchen 90 minütigen Kinofilme, die gleiche Zeit die man für einen TATORT hat!

GG: Aber dann versteh ich nicht wieso das solange dauert bis deutsche Filme ins Kino kommen?

WK: Post Produktion!

GG: Ok, vielleicht bei HUI BUH und so was, aber auch bei den kleineren?

WK: Auch. z.B. BESSER ALS SCHULE, die Teenie-Komödie in der ich mitgespielt hab, da hat allein diese Sound Produktion, diese Band auftreiben, da die richtige finden, mit denen dann tatsächlich diese Hits einspielen, dann wieder verwerfen, dann andere einspielen, das hat wahnsinnig lange gedauert!

GG: Ok!

WK: Das braucht wahnsinnig lange, dann evtl. Nachsynchronisierung, das kann auch wieder lange dauern... manchen Filme bleiben ewig liegen aus Marktpolitischen Gründen. Denn bringen wir den Film nicht im Sommer raus, dann warten wir auf den Winter - ach, ne im Winter kommt dann der-und-der amerikanische Film, da können wir nicht usw.

GG: Wie ist es dann für einen Schauspieler, der bis zum Start des Films, zwischendurch noch 2 bis 3 andere Filme gedreht hat und erst bei Presseterminen über den mittlerweile "alten" Film spricht! Jetzt z.B. bei ZWARTBOEK, der ist doch bereits 2005 gedreht worden.

WK: Ne, das ist nicht so lange her. 2005, zwischen Juni und Dezember, ist er gedreht und das geht gut. Überhaupt diese Dreharbeiten waren noch sehr präsent, das ist emotional noch sehr nah! Aber auch Filme die schon länger abgedreht sind, das ist dann eben ein Stück Vergangenheit das einen dann einholt!

GG: Ich vergesse immer das ein Schauspieler im Endeffekt ja nur Szenen Revue passieren lässt in denen er selber mitgespielt hat. Der Schauspieler sieht nicht - wie der Filmemacher - den kompletten Film vor dem inneren Auge!

WK: Manchmal guck ich dann bei anderen Takes zu, aber eher selten! Meistens sieht man tatsächlich, als Schauspieler, nur die eine oder andere Szene.

GG: Ich denk ja immer aus der Perspektive des Filmemachers und der hat ja immer seinen kompletten Film im Kopf, Vorwärts, Rückwärts, ohne Ton, mit Ton.

WK: Als kleines Säugetier in dieser Gesamtkonzeption da hat man diesen Überblick nicht! Das war für mich wahnsinnig spannend in Venedig (anm. bei den Festspielen) den Film zum ersten Mal zu sehen!

GG: Ah, zum ersten Mal?

WK: Ja, es war das erste Mal und ich saß da und dachte "O, Scheiße ist das gut! Boa, ist das groß, Mann, Mann" und da sah ich mich selber dort auftauchen und dachte "Scheiße du spielst ja auch mit!" Dass ich in so einem Teil mitspiele - irre! Das war richtig verrückt - ein schon sehr überdrehter Moment!

GG: Wie war das so mit den anderen beiden deutschen Jungs (anm.: also Sebastian Koch und Christian Berkel) - gab's da so eine kleine Clique?

WK: Ne, es gab kein abschotten. Wir haben uns sehr gut untereinander verstanden und sind sehr selbstverständlich miteinander umgegangen, aber es war kein abschotten! Das fand ich sehr gut so! Und sowieso Sebastian und Carice und das ist...

GG: War das vorher schon...

WK: Nein...

GG: Aha, ok. Ich hab das zufällig in der Niederländischen Boulevardpresse gelesen bzw. rausgefiltert. Ich wußt zwar nicht was da steht, aber mir war irgendwie klar, dass die beiden zusammen sind.

WK: War nicht vorher! Es ist tatsächlich währenddessen passiert.
Ich fands ziemlich gut wie wir da integriert wurden und wir auch zwangsläufig da drin verzweigt waren. War schon toll!



                              (Carice Van Houten und Sebastian Koch)

GG: In deiner Filmografie ist ja dieser TKKG Film aus dem Jahre 1992 - war das ein Kinofilm? Ich hab den damals nicht so richtig wahrgenommen!

WK: Den hat Uli König gedreht und das war 90, 91 gedreht.

GG: Wie fühlt man sich als noch junger Schauspieler wenn es zurzeit ein Remake bzw. ein Re-imagening eines Films gibt in dem man selber mitgespielt hat.

WK: Ja? Gibt das?

GG: Der läuft doch grad im Kino.

WK: Hör auf. Echt?

GG: Seit ein paar Wochen.

WK: Warum hast du mir das nicht gesagt?

GG: Ich weiß jetzt nicht ob es direkt auf den 92er Film basiert, oder ob es eine ganz andere Geschichte ist. Fühlt man sich alt wenn es schon eine neue Version von etwas gibt bei dem man vor 14 Jahren beteiligt war?

WK: Das mit dem alt ist ja relativ, weil ich war ja noch niemals jung!

GG: Ok, dann ist das ja sehr praktisch!

WK: Dann tut auch alles auch nicht so weh! Ne, das ist verrückt ich hab das nicht gewusst!

GG: Die haben auch keine gute Werbung gemacht. Der Film war plötzlich da und keiner wusste bescheid. Bei so einem Projekt müssen die Macher doch die Kiddies ein halbes Jahr vorher drauf aufmerksam machen, dass der Film kommt.

WK: Da muss ich dir Recht geben. Werbung wird bei vielen Filmen im Kino als auch im Fernsehen vernachlässigt. Der Mainstream kündigt sich von selber an und dann gibt es manche Sachen die noch mal dick hervorgehoben werden, wie die SAT 1 TV Movies...

GG: Mit Riesenbanner und so...

WK: Ja, viele Sachen kippen Marketingmäßig hinten über. Tolles Beispiel das jetzt immer wieder auf ARTE läuft, so kleiner Film heißt WEIHNACHTEN. Ein Schweizer Regisseur dessen Name mir gerade nicht einfällt...
(GreekGeek hat nachgeforscht: Weihnachten (2002) Regie: Marc-Andreas Bochert)
ich hab den gesehen bei einer Team-Premiere, auf Leinwand und fand den so Klasse...

GG: Ist der mitproduziert von ARTE?

WK: Ja, der ist ehm, eigentlich, der hatte Premiere im ZDF. ZDF und ARTE haben den produziert... nicht ZDF, ARD. Ich weiß es nicht mehr genau, ein paar öffentlich-rechtlich haben da zusammengestrickt und diese Kinovorführung war einfach nur fürs Team. Ich hab den Film und hab gedacht, "wow so schön" Ein kleines Schmuckstück!

GG: Ist es eine Komödie...

WK: Ne Tragikkomödie. Sehr viele Episoden die beobachtet werden aus dem gegenüberliegenden Haus. Wirklich ein kleiner toller Kosmos von Film. Und der ist überhaupt nicht angekündigt worden, ist dann durch ein Marius Müller Westernhagen Interview auch noch zwei Stunden weiter in die Nacht reingeschoben worden, so dass er bei seiner Erstausstrahlung irgendwann um 1.20 gestartet ist...

GG: Großartig!

WK: ...und der läuft jetzt jedes Jahr wieder und hat mittlerweile eine kleine Fangemeinde, hab ich das Gefühl. Jedes Jahr treffe ich ein paar Leute die sagen "Ich hab einen Film gesehen, der heißt WEIHNACHTEN, der lief dann-und-dann. Der ist so Klasse" Das begegnet mir die letzten paar Jahre immer wieder und wieder. Der beißt sich durch Wiederholung einfach durch!

GG: Ist das nicht schrecklich? Der Oma und der Tante erzählt man dann "mein Film läuft dann-und-dann im ZDF und dann startet er noch zwei Stunden nach der unmöglichen Originalzeit! Wenn überhaupt!

WK: Das muss 'ne harte Oma sein.



GG: Gibt es so was wie eine Traumrolle die du mal spielen möchtest?

WK: (schweigendes überlegen)

GG: Irgend 'ne Figur, auch wenn es ein Remake ist. Irgendwas wo man denkt, das könnt ich gut nachmachen, das könnt ich besser interpretieren, verbessern...

WK: Ne...

GG: Gibt es Role-Models, Vorbilder?

WK: Ne, auch nicht! Ich freu mich wenn ich möglichst verschiedene Sachen spielen darf. Da bin ich sehr dankbar drum, dass so vielen Castern, so viele verschieden Rollen zu mir einfallen. Ich finde Kleinauftritte gut. Da hab ich richtig Spaß dran. So einmal kurz als der-und-der mal kurz reingucken und dann auch wieder verschwinden,... find ich Super! Oder einmal kurz als Kommunalpolitiker X eine Ansprache halten und dann wieder für immer weg sein. So was ist gut, aber dann auch so...vielfältiges Zeug, möglichst viel verschiedenes. Ich bin da dankbar für. Ich hatte bis jetzt eigentlich ganz viele Traumrollen gehabt. Ich muss mir immer raussuchen wo der Traum in der Rolle liegt.

GG: Sehr gut!

WK: Das bereitet mir Freude. Vielleicht kommt eines Tages eine Rolle von der ich dann sage "Jau, das war jetzt die absolute Rolle"

GG: Die hattest du jetzt bei ZWARTBOEK!

WK: Stimmt. Ich will aber nicht jetzt bis an mein Lebensende Alleinerziehende Nazis spielen...

GG: Nee, nee

WK: Das war ein Riesenbonbon, so'n Typen spielen zu dürfen der einerseits das Leben leibt, der sich ans Klavier setzt und losspielt und singt, der die Frauen und das Gute Getränk liebt und auf der anderen Seite halt eine Tiefe Befriedigung und Freude darin findet Menschen zu quälen und zu töten. Das ist einer der in jedem Regime ein Schwein wäre.

GG: Genau das meinte ich auch mit meiner Review. Das die Handlung überall hätte spielen können. Es hätte funktioniert.

WK: Dieser Typ ist eine Drecksau aus Passion. Das ist schon 'ne Riesen-Traumrolle auf jeden Fall, aber ich könnte jetzt so nicht sagen was DAS Produkt meines Lebens wäre.

GG: Ist doch gut. Dann ist man ja offen dafür und befindet sich nicht immer auf der Suche danach.

WK: Ja, ich bin da neugierig.

GG: Aber jetzt bei dem Sequel zu RENNSCHWEIN RUDI RÜSSEL - du warst beim ersten nicht dabei oder?

WK: (lacht) Nein... das ist auch so'n kleines Teil. Ich komm da hin, kann Sebastian Koch und Sophie Von Kessel...

GG: Ist der auch dabei?

WK: Ja... die beiden mal kurz zu verhören als Polizist und dann wieder gehen! Das ist so gut!

GG: Wie oft hast du denn insgesamt mit dem Sebastian Koch zusammengearbeitet?

WK: Das ist dann jetzt das dritte Mal gewesen bei RUDI RÜSSEL. Und genau das find ich gut. Wenn irgendwann ein kleines Kind sagt "Guck mal Mutti, dass ist doch der Typ der auch in dem Science Fiction Film den Tankwart gespielt hat.

GG: Ja, das ist es. Dieser Wiedererkennungswert! Das mal alle Zielgruppen erreicht

WK: Ja, aber nicht mal so Zielgruppengerecht, sondern einfach so alles machen, wie eben mal kurz bei RENNSCHWEIN RUDI RÜSSEL auftauchen!

GG: Wann soll der überhaupt kommen?

WK: Weiß ich gar nicht. 2007?! Das war im Sommer, als diese heiße Phase war. Da hatte ich Sieben Sachen gleichzeitig!

GG: Weswegen bist du zurzeit hier? (anm. das Interview fand in Bremen statt)

WK: Da hab ich gestern eine TV Produktion von Network Movie gedreht und zwar das ist eine Komödie die in Ostfriesland spielt und.. alle Verdächtigen dabei, der Ulmen, der Armin Rohde, die Heike Makatsch...

GG: Alle dabei

WK: ...ja, da bin gestern vorbeigekommen, hab in einem Busdepot als Oberkreisdirektor eine Rede gehalten, werde jetzt demnächst mit einer Autopanne am Deich stehen und das wird’s dann gewesen sein.



GG: Hast du Lieblingsfilme? Bist du überhaupt ein Filmfan?

WK: Ich komm so selten zu. Das ist echt schlimm! Die letzten fünf Jahre sind fast komplett an mir vorbeigegangen.

GG: Dann ist es ja ok, dass man nicht weiß dass ein neuer TKKG Film ins Kino gekommen ist. Das ist dann vollkommen ok!

WK: Ich guck mir viel zu selten Filme an. Lieblingsfilme... (überlegt) TOTO, DER HELD fand ich irrsinnig gut! Dieser Belgier... STARSHIP TROOPERS verdammt weit vorne!

GG: Hat Verhoeven irgendwelche Standard Begriffe benutzt um Sachen zu erklären?

WK: "Basicly" hat er sehr oft gesagt!

GG: "Basicly"!?

Vielen Dank für dieses tolle Interview!!!

 

 

Filmografie Waldermar Kobus


FILM/KINO

2006

Beautiful Bitch | Regie : Theo Krieger
Rennschwein Rudi Rüssel | Regie : Peter Timm
Nemesis | Regie : Nicole Mosleh

2005

Black Book Regie : Paul Verhoeven

2003

(T)Raumschiff Surprise - Periode1 | Regie : Michael Bully Herbig
Besser als Schule | Regie : Simon X. Rost

2002

Narren (Reihe "Radical digital") | Regie : Tom Schreiber

1999

Otomo | Regie : Frieder Schlaich |

Sonnenallee | Regie : Leander Hausmann
TKKG – das Drachenauge | Regie : Ulli König


TV

2006

Freischwimmer | Spielfilm | Regie : Andreas Kleinert
Liebe auf Bewährung | Spielfilm | Regie : Ulrich Zrenner
Alma Mitterteich | Spielfilm | Regie : R ené Heisig
Reine Geschmackssache | Spielfilm | Regie : Ingo Rasper
Alles Atze | Serie | durchgehende Rolle | Regie : Christoph Schnee, Joseph Orr
Grossstadtrevier : Eine Sache des Vertrauens | Serie | Regie : Marcus Weiler
Frauengeschichten | Serie | Regie : Joseph Orr

2005-2004

Die Bullenbraut | Reihe | Regie : Uli Baumann

2005

Alles über Anna | Serie durchgehend | Regie : Ulrich Zrenner, Michael Schneider, Nicolai Rohde
Zwei gegen Zwei | Spielfilm | Regie : Lars Jessen
Arnies Welt | Spielfilm | Regie : Isabel Kleefeld
Tote Hose | Spielfilm | Regie : Simon Rost
Durch Himmel und Hölle | Zweiteiler | Regie : Matthias Tiefenbacher

2004-2003

Alles Atze | Serie | durchgehende Rolle | Regie : Christoph Schnee, Joseph Orr

2004

Das Zimmermädchen und der Millionär | Regie : Andreas Senn
Der Dicke | Serie | Regie : Thomas Jahn
Edel und Starck | Serie | Regie : Ulrich Zrenner
Einsatz in Hamburg | Reihe | Regie : Judith Kennel

2003

Das Wunder von Lengede | TV-Zweiteiler | Regie : Kaspar Heidelbach
Der Ermittler | Reihe | Regie : Peter Fratzscher
Die Rettungsflieger | Serie | Regie : Klaus Wirbitzky
Die Stunde der Offiziere | Regie : Hans-Erich Viet
Ein Fall für Zwei | Serie | Regie : Ulrich Zrenner
Ein Mann für den 13ten | Regie : Ulrich Zrenner
Großstadtrevier : Alte Liebe | Serie | Regie : Lars Jessen
Nicola | Serie | Regie : Richard Huber
Stauffenberg | Regie : Jo Baier
Tatort Bremen | Reihe | Regie : Thorsten Näter
Tatort Ludwigshafen : Abgezockt | Reihe | Regie : Christoph Stark
Tatort Niedersachsen : Hexentanz | Reihe | Regie : René Heisig
Zwei Wochen für uns | Regie : René Heisig

2002

Anna III | Reihe | Regie : Dennis Satin
Der Freund von früher | Regie : Matthias Tiefenbacher
Die Cleveren | Serie | Regie : Christiane Balthasar
Die Wache | Serie | Regie : Karsten Meyer-Grohbrügge
Ritas Welt | Serie | Regie : Uli Baumann
SoKo Köln | Serie | Regie : Ulrich Zrenner
Wilsberg – und der Tote im Beichtstuhl | Reihe | Regie : Manuel Siebenmann

2001

SK Kölsch : Altes Eisen | Serie | Regie : Wilhelm Engelhardt
Sternenfänger | Serie | Regie : Michél Bielawa, Andreas Senn, Markus Ulbricht

2000

Tatort Köln : Mördergrube | Reihe | Regie : Christiane Balthasar

1999

Tatort Köln : Martinsfeuer | Reihe | Regie : Niki Stein

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