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ZWARTBOEK

ZWARTBOEK (2006)

Regie: Paul Verhoeven
Drehbuch: Gerard Soeteman, Paul Verhoeven

Darsteller: Carice Van Houten, Sebastian Koch, Thom Hoffman, Halina Reijn, Waldemar Kobus, Derek de Lint

Kamera: Karl Walter Lindenlaub
Schnitt: Jon ter Burg, James Herbert

Musik: Anne Dudley
Laufzeit: 145 min.

Dt. Start: noch kein deutscher Termin
Verleih: noch kein deutscher Verleih


Review:

Es gibt bestimmte Filme die eine Art Gänsehaut erzeugen, weil sie in ihrer Weise perfekte Kinofilme sind.
Ich rede nicht von solchen sehr guten Unterhaltungsfilme wie PIRATES OF THE CARIBBEAN oder LORD OF THE RINGS - die haben andere Stärken.

Ich meine Filme die als "Film" einfach großartig sind.
Letztes mal hatte ich diesen Effekt bei Perdo Almodovar's LA MALA EDUCACION und Steven Spielbergs MUNICH.

Und eben, letztes Wochenende beim neusten Film von Paul Verhoeven!

ZWARTBOEK ist einer der besten Film der letzten Jahre und unangefochten der Film dieses Jahres (wie immer - bis jetzt).
Verhoeven hatte seit HOLLOW MAN (2000) keinen Film mehr gedreht und mußte um die Dreharbeiten zu ZWARTBOEK kämpfen!
Es handelt sich um seinen ersten Film in den Niederlanden seit mehr als 20 Jahren. Der letzte rein niederländische Film war DE VIERDE MAN (dt. Titel "Der vierte Mann") aus dem Jahre 1983.
FLESH & BLOOD der zwei Jahre später folgte, war seine erste internationale Produktion und mit ROBOCOP gelang ihm sein Durchbruch in Hollywood.
Alle weiteren Hollywood Filme von Verhoeven kennt fast jeder. Von TOTAL RECALL über BASIC INSTINCT bis zu STARSHIP TROOPERS.
Sogar SHOWGIRLS kennt jeder - obwohl jeder so tut als ob er ihn nicht gesehen hätte!



Ich selbst kam auch über seine Hollywood Filme auf ihn und entdeckte erst viel später seine niederländischen Filme. Darunter befindet sich kleine Meisterwerke wie TURKS FRUIT (dt. Titel "Türksiche Früchte"), SOLDAT VAN ORANJE (dt. Titel "Soldiers") und eben DE VIERDE MAN (dt. Titel "Der vierte Mann")!

Nun kommt sein lang geplantes Projekt ZWARTBOEK - engl. Titel BLACK BOOK! Ich bin ja schon seit Jahren ein Verhoeven Fan, aber das was er hier bietet ist absolute Spitze.

Der Film fängt im Jahre 1956 in einem Kibbuz in Israel an. Verhoeven hat hier die Chance sich vor einem seiner Vorbilder, David Lean, zu verneigen in dem er seinen Film wie DR. SCHIWAGO anfangen läßt: aus einer anderen Zeit in der (für uns) Vergangenheit, wird auf eine andere Zeit zurückgeschaut!

Und somit befinden wir uns im Jahr 1944, September in Holland. Es ist interessant die Zeit des zweiten Weltkriegs mal in einem anderen Land außer Deutschland oder Polen zu sehen. In Holland marschieren die SS Soldaten zwar durch die Städte, aber das normale Leben der Bewohner läuft weiter. Ein wenig erinnert das ganze an den Jean-Pierre Melville Film LEON MORIN, PRETRE (1961), der in Frankreich zur gleichen Zeit spielt und in dem die Hauptdastellerin Emanuelle Riva genauso ihr Leben weiterführt wie die Charaktere in ZWARTBOEK.

Der Film spielt zwar im 2. Weltkrieg, aber der Film ist ein richtiger Spionage Thriller der den Krieg als Hintergrund nutzt.



Im ersten Akt verarbeitet Verhoeven alles was man vom 2.Weltkrieg kennt - die Nazis sind der im Stechschritt-marschierende-Abschaum der Menscheit und der Rest versucht sich zu retten. Wir erleben das ganze aus der Sicht Hollands und der jungen Frau Rachel (fantastich dargestellt von der überaus talentierten und attraktiven Carice Van Houten) die jüdischer Herkunft ist.

Nachdem die uniformierten Bestien ihre Familie auslöschen, verbündet sich Rachel mit einer Untergrundbewegung um sich zu rächen. Sie färbt sich die Haare Blond (und nicht nur die auf ihrem Kopf: Verhoeven pur!) und nennt sich von nun an Ellis de Vries.

Dann lernt sie den deutschen Offizier Müntze kennen. Und zwischen den beiden funkt es. Müntze (Sebastian Koch) der seine Familie während eines Bombeangriffs auf Hamburg verloren hat, verliebt sich in Ellis und bietet ihr einen Job in seiner SS Zentrale an. Besser hätten es die Gruppe um Ellis gar nicht plannen können.
Dann fliegen ein paar der Leute in Ellis Gruppe auf und ab da dreht sich der Film in einer andere Richtung und wird zur Hatz nach dem Verräter aus den eigenen Reihen!!

Sebastian Koch und Christian Berckel (die beiden deutschen Darsteller) spielen anders als in ihren deutschen Film. Ob es an Verhoevens Inszinierungs-Stil liegt?
Koch, obwohl er zu den bösen gehört, ist ein richtiger Leading Man, ein Action-Hero. In einer anderen Rolle wäre er der Good Guy ohne gleichen!



Großartig das erste Treffen zwischen Ellis und Mütze wo das Thema auf Müntze's Briefmarken Sammlung kommt und er ihr erzählt, dass er Briefmarken aus den Ländern sammelt in denen er gerade stationiert ist! "Erst kam Polen, dann Frankreich und jetzt bin ich hier" sagt er ihr. "Nur Indien fehlt noch"!

Nur um eins noch zu verraten: sobald, nach ca. 2/3 der Handlung, der 2.Weltkrieg zu Ende ist, wird für Ellis alles noch gefährlicher weil die Feinde noch unter ihnen sind...

Um mich nocheinmal zu wiederholen: Hauptdarstellerin Carice Van Houten ist der Hammer!!! In Deutschland ist sie bis jetzt nur mit dem Film DIE GEHEIMNISVOLLE MINUSCH bekannt geworden. Hoffentlich ändert sich dies nun! Ihr deutsch (in den Szenen in denen sie deutsch spricht) ist sehr gut und beim singen, z.b. wenn sie für die versammelten Offiziere "Die fesche Lola" singt, umso besser!

Noch zu beachten wären die Nebendarstellerin Halina Reijn und der Anführer der Rebellen Thom Huffmann, eine Mischung aus dem jungen Belmondo mit den Augen eines jüngeren Kevin Spacey!



Paul Verhoeven's Stil ist überall zu erkennen. Der Film ist manchmal so sarkastisch erzählt, dass man nicht weiß ob man vielleicht doch bitter lachen sollte.
Den Niederländern in dem Kino, in Maastricht, in dem ich den Film gesehen habe, verging mehrmals das Lachen! Das liegt vielleicht auch daran, dass Verhoeven - der mit Gerard Soetmann auch am Drehbuch geschrieben hat -niemanden in Schutz nimmt. Es gibt auf beiden Seiten genauso viele Gute Menschen wie Böse! Und er schlägt ironisch um sich wo es auch nur geht. Wenn SS General Käutner eine Rede hält erzählt er: "Mit dem Führer kämpfen wir gemeinsam gegen die Terroristen, für ein freies Europa!".
Wen und was Verhoeven damit meint ist wohl klar! Die niederländische Untergrundbewegung wird zwar die ganze Zeit von den Nazis als Terroristen bezeichnet, aber Verhoeven will auf keinen Fall mit dem obengenannten Zitat, darauf hinweisen, dass die "armen" Terroristen im Recht sind. Denn kaum ist der nächste Handlungstwist da, ändert sich unsere Wahrnehmung für die "gute" Seite auch schlagartig!

Vergleiche mit Spielbergs MUNICH sind viele. Beide erzählen eine Krimigeschichte inmitten eines schrecklichen Ereignisses und nutzen unser Vorwissen um die Rahmenhandlung voranzutreiben. Beide enden den Film mit einen Ausblick auf die Zukunft bzw. unsere Gegenwart. Beide erzählen bewußt ihre Geschichte mit Augen aus dem Jahre 2005 bzw. 2006. Und beiden zeigen damit wie man perfekte Filme dreht! Man zieht den Zuschauer mit in die Handlung rein, schleudert ihn ein paar Mal emotional durch und schickt ihn wieder zu seinen "sicheren" Zuhause!



GreekGeek September-2006

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