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TRANSFORMERS (30 min. "work in progress")

TRANSFORMERS (2007)

Regie: Michael Bay
Drehbuch: Robert Orci, Alex Kurtzman

Darsteller: Shia LaBeuf, Megan Fox, Josh Duhamel, Jon Voight, Rachael Taylor, John Turturro

Kamera: Mitchell Amundsen
Schnitt: Todd E. Miller, Tom Muldoon, Paul Rubell

Musik: Steve Jablonsky
Laufzeit: xx min.
Dt. Start: 04.07.07
Verleih: Paramount Pictures


Anm. GreekGeek: Unserer Aussenreporter in Berlin, DM, hatte die Möglichkeit vorgestern an einer exklusiven, ca. 35minütigen Filmpräsentation (auch als „Work In Progress" bezeichnet - Musik noch nicht fertig, Effekte noch nicht komplett usw.) aus Michael Bay's TRANSFORMERS (Kinostart: 4. Juli 2007) teilzunehmen!

Was DM von den ersten unfertigen Aufnahmen des großen Sommer Blockbusters hielt, könnt ihr unten lesen!



Review ("Work in Progress"-Szenen):

Heute Nachmittag präsentierten Paramount und DreamWorks in Berlin eine halbe Stunde "Transformers" als 'work in progress' einige Monate vor Kinostart (und Fertigstellung).
Ich muss gestehen, ein wenig neugierig war ich schon – seit dem Trailer mit den ersten Bildern. Als ich das erste Mal gehört habe, dass Michael Bay eine Verfilmung von Spielzeug und einem Comic bzw. einer Zeichentrickserie dreht, das erst eine (oder mehrere) Generationen nach mir Kinder interessierte, habe ich innerlich kurz die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen und das ganze schnell wieder verdrängt.
Dann kam ein ganz netter Teaser (mit einer Marssonde, die von einer bösen Roboter zertreten wird und einem sich hübsch transformenden "Transformers"-Schriftzug – aber eben nur ein Teaser).

An dieser Stelle muss ich anmerken das ich ein mehr als gespaltenes Verhältnis zu den Filmen von Michael Bay habe und er der Herr ist, der mir mit seinem "Armageddon" – ohne Übertreibung – beinahe das Kinogehen abgewöhnt hätte.
Aber man möchte sich ja immer überraschen lassen und geht ja ins Kino, um Filme zu mögen – und außerdem gibt es nichts schöneres als seine eigenen Vorurteile über den Haufen zu werfen und sich einzugestehen, dass es doch ganz anders gekommen ist, als man 'wusste', dass es kommen würde.
(Bestes Beispiel der neue Bond – ich habe zu den Leuten gehört, die gedacht haben, dass da nichts Gutes mehr zu erwarten wäre und schon gar nicht mit diesem komischen Typen aus "Road To Perdition" als Bond – aber dann kam "Caino Royale", der selbst beim vierten Ansehen immer noch Spaß macht und dazu gewinnt).



Aber zurück zum Thema - "Transformers" und sich überraschen lassen: dann kam Ende letzten Jahres der erste Trailer mit viel Material aus dem Film. Und das sah irgendwie schon ganz lustig aus. Wie gesagt, ich habe nie als Kind mit Transformers-Figuren gespielt und finde auch das Konzept (so wenig ich darüber weiß) nicht sonderlich ansprechend. Aber bei dem Trailer hatte ich schon den Eindruck, dass das Endprodukt Spaß machen könnte (zumal ich hier das erste Mal mitbekommen hatte das Mr. Spielberg bei der Aktion als Produzent fungiert und das ist nun wirklich ein Mann, den ich als Filmemacher sehr respektiere und dem ich eine größere Weitsicht bei solchen Projekte zutraue).

Und so bin ich heute schon in diese Präsentation gegangen mit dem Wunsch und der Hoffnung mich wie ein Kind diebisch über Blockbuster-Unfug zu freuen (und Unfug meine ich hier sehr liebevoll – einige meiner Lieblingsfilme sind Unfug und zwar grober). Aber das war mir leider nicht vergönnt.

Gezeigt wurden vier Szenen, die sich auf insgesamt ungefähr 30 Filmminuten beliefen:

   1.Eine Militärbasis irgendwo in der Wüste. Einige Soldaten kommen mit sehr schicken Flugtransportern an. Die Soldaten albern herum, gehen ihrem Alltag nach und unterhalten sich darüber, was sie an Zu hause vermissen. Dann wird auf dem Radar ein unbekanntes Flugobjekt entdeckt.
Ein Helikopter, der die Flugnummer eines vor einiger Zeit abgestürzten Fluge trägt und der dann trotz Warnungen der Militärs mitten auf dem Stützpunkt landet.
Der Pilot entpuppt sich als Hologramm und ehe die umstehenden Soldaten wissen, was ihnen geschieht bricht die Hölle los und der Helikopter verwandelt sich in einen bösen Transformer und jagt alles in die Luft was da ist.
Die Menschen haben keine Chance.

   2.Sam Witwicky, der typische am-Anfang-noch-uncoole Teenager-Antiheld und sein Kumpel kommen bei einer Grillparty von coolen Football-Typen an, wo auch Mikaela, Sams große heimliche Liebe, anwesend ist. Sam legt sich kurz mit Mikaelas Footballer-Freund an und sie geht dazwischen (während Sams Kumpel im Hintergrund wie bekifft einen kleinen Baum hoch klettert und sich Kopf abwärts herunter hängen vom Baum hängen lässt – einer der bizarrsten Momente dieser 30 Minuten, der schon wieder subversiv sein könnte, wenn das ganze nicht so ernst gemeint und blöd wäre).
Auf jeden Fall trennt sich Mikaela kurzentschlossen von dem Football-Typen und Sam sieht seine Chance, Mikaela eine Mitfahrgelegenheit anzubieten und mit ihr ins Gespräch zu kommen.
Sie fährt mit und der nachfolgende Dialog ist auch nicht neu, denn natürlich erkennt das beliebte Mädchen den komischen Typen nicht mit dem sie schon Jahre in dieselbe Klasse geht (Sie: "Bist du neu auf unserer Schule?" – Er: "Nein, ich sitze schon seid der ersten Klasse neben dir"). Das mag für einen kurzen Lacher in einer Sitcom reichen, aber bitte... Das Auto, das offenbar ein Transformer-Auto ist (eins von den guten – es gibt nämlich gute und böse Transformers die auf der Erde um die Erde kämpfen), entwickelt jetzt plötzlich ein Eigenleben, schaltet das Radio auf romantische Musik und parkt die beiden auf einer Wiese im Sonnenuntergang. Herbie lässt grüßen. Der Wagen springt dann nicht mehr an, Mikaela entpuppt sich als Freizeit-Mechanikerin und schaut erst mal unter die Haube. Hier wird wie in den schlimmsten Michael-Bay-Momenten bauchfrei, mit eingeöltem Körper und glänzenden Lippen so pornös-obszön in Szene gesetzt, dass sexy-Autowerbung aus den 80ern mit eingeölten Bikini-Mädchen plötzlich dastehen, wie ästhetische Kunstwerke mit tiefgründigen Frauenfiguren.
Auf jeden Fall geht sie erst mal genervt weg und Sam bleibt alleine mit dem Wagen zurück, kann ihn dann aber doch irgendwann wieder starten und fährt ihr hinterher.
Als er Mikaela eingeholt hat ist die Szene irgendwann zu Ende.

   3.Sam und Mikaela sind jetzt gemeinsam mit den guten Transformers (in Auto- und LKW-Form) unterwegs zu Sams Haus um dort irgend etwas zu suchen (was für die Handlung wohl wichtig ist, aber in den gezeigten Szenen sich nicht erklärt). Sam trifft zu hause auf seine Eltern, die ihm als Stereotype Karikatur von Filmeltern, erst Stubenarrest fürs Zuspätkommen geben wollen, dann sich aber doch von ihn einwickeln lassen.
Sam sucht gemeinsam mit Mikaela sein Zimmer ab, während die guten Transformers (in Riesenroboter-Form) albern und tolpatschig den Garten verwüsten. Die Eltern halten das Trampeln der Transformers für ein Erdbeben und als einer der Roboter sich in den Stromleitungen verheddert und einen Stromausfall auslöst gehen sie hoch zu Sams Zimmer, um nach ihm zu sehen.
Hier entdecken sie aber weder die Roboter noch Mikaela, sondern verwickeln ihn nur in einen peinlichen Dialog über Masturbation. Dann klopft es an der Tür und eine Truppe von "Men in Black"-Regierungsbeamten steht vor der Tür, die offensichtlich Sam und den Aliens auf der Spur.
Angeführt wird die Truppe von John Turturro, der als erster dem ganzen ein Comic-Element verleiht, aber leider auch reichlich deplatziert wirkt.

   4.In der Wüste sind eine Handvoll Soldaten, die die offensichtliche Zerstörung des Militärstützpunktes überlebt haben, zu Fuß unterwegs zu einem Telefon.
Plötzlich gräbt sich unter ihnen ein Skorpion-artiger böser Transformer durch (hier möchte man sich aber doch lieber "Tremors – Im Land der Raketenwürmer" wieder mal ansehen) und greift die Truppe an. Sie wehren sich und einer (offensichtlich der Protagonist – er war in der ersten Szene schon Mal mit Frau und Baby zu sehen) kann ein Telefon erreichen um das Pentagon anzurufen (das dauert aber, weil er erst während des Gefechts die Kreditkarte eines anderen Soldaten besorgen muss, um die Gesprächskosten zu zahlen – das ist Humor!). Das Pentagon wird erreicht und lässt zur Hilfe fliegen.
Unter dem Beschuss von Raketen geht der böse Transformer zwar nicht kaputt, verschwindet aber wenigstens wieder in der Erde und der Kampf ist erst mal vorbei.



Gleich bei der ersten Szene geht’s los mit dem 'keinen-Spaß-haben’: Helikopter im Sonnenuntergang und Soldatenjungs die viel Spaß haben in der Ruhe vor dem Sturm – 'Black Hawk Down' Revisted. Alles schon mal gesehen und auch besser – wenn auch nicht in "Black Hawk Down" – und die coolen Sprüche der Soldaten haben wir auch alle genauso schon hundert mal gehört. Erst hab ich mich kurz gefreut Amaury Nolasco unter den Soldaten zu entdecken (den Fernando Sucre aus “Prison Break”), aber die Freude dauerte auch nur bis ich feststellte, dass er offenbar nur da ist für den saublöden Running Gag bei dem er immer wieder anfängt mitten im Satz Spanisch zu sprechen und dann von seinen coolen Kumpels angebrüllt wird mit "In English, dude, English". Die Szene mit dem Transformer-Helikopter ist im Trailer schon viel vertreten und sah da auch ganz gut aus, war aber zumindest in dieser Schnittfassung (ist ja auch erstmal nur "work in progress") total mau: "Es kracht, es zischt, zu seh’n ist nischt" – um hier mal den deutschen Titel eines alten 70er Kurt Russell/Disney-Films heranzuzitieren (ich weiß auch nicht warum hier so viele Assoziationen zu alten Disney-Filmen hochkommen).

Viel Geballer und Explosionen und die Einstellungen aus anderen Michael-Bay-Werken, in denen Autos durch die Luft und in Richtung Kamera fliegen, werden hier noch mal mit Panzern wiederholt (öfter mal was neues ausprobieren, hat sich der Regisseur da wohl gesagt). Und der Temp-Track mit wiederverwendeter Musik aus der Hans-Zimmer-Schmiede (wo der Komponist des endgültigen Soundtracks, Steve Jablonsky, auch herkommt) hat nicht geholfen, das ganze origineller zu machen. Aber das war ja immerhin eine Action-Szene und einiges härter wurde es dann bei den Szenen mit den "menschlichen Aspekten" (die der Marketing-Mann vom Verleih immer wieder in seiner Einleitung verzweifelt zu betonen versuchte).

Vielleicht sollte man ihm und Michael Bay erklären, dass eine Szene in einem Action-Film noch nicht unbedingt "menschliche Aspekte" behandelt – was immer das auch immer das heißen mag – nur weil sich in dieser Szene mal allen Ernstes zwei (oder mehr) Leute mit einander unterhalten.

Alle "menschliche Aspekte" sind albern und so blöd, dass ich mich frage: warum? Warum hätte man da nicht noch mal mit einem Drehbuchautoren drübergehen können? (hatten die Verantwortlichen Angst, die Leute würden raus rennen, wenn wirkliche Figuren auf der Leinwand auftauchen, die einen interessieren könnten?).

Das ist nämlich wirklich das Hauptproblem des Ganzen: Michael Bay kann bestenfalls Action-Sequenzen inszenieren, aber sobald es um Dialoge und Figuren geht, die nicht nur aus "Bad Boys"-One-Linern bestehen, scheint er heillos verloren (einzige Ausnahme aus seinem Oevre ist da vielleicht "The Rock", aber wenn man Sean Connery und Ed Harris vor der Kamera hat kann man auch nicht so viel falsch machen.)

Selbst diese 30 Minuten waren schon voll von einer Unzahl schlechter Gags, die sich andauernd wiederholen: ob Sams Nachname "Witwicky" falsch ausgesprochen wird (ha ha) oder sich schelmische Anzüglichkeiten in Sams verlegenen Sätzen mit Mikaela wiederfinden ("Can I ride you home, eh I mean can I give you a ride home“ und "You can touch my engine anytime"). Aber am peinlichsten sind sicherlich Sams Mutter mit ihrem Gebrabbel über Masturbation und ihre Reaktion als die Regierungsbeamten auf der Suche nach Spuren der Aliens Mamas Blumenbeet verwüsten und sie schreit "Take your hands off my bush".



Vielleicht bin ich auch einfach nicht der richtige um so einen Film zu besprechen, aber ich sage es noch mal ich finde Unfug toll, aber auch Unfug kann man gut und mit Stil oder schlecht machen. Ich verstehe auch diese Entwicklung von Filmen in den letzten 10 Jahren nicht, in denen Sommer-Action-Blockbuster so gemacht werden, dass sie mit ihren "shiny cars" und "sexy girls" offenbar nur auf 13jährige zugeschnitten sind, und für alle, die sich jenseits der Pubertät befinden, abstossend wirken müssen.

Zu "guter" Letzt will ich noch kurz ein paar Worte zum Hauptdarsteller sagen: Shia LaBeouf. Er wird gerade sehr gepusht und der Herr vom Verleih sagte, Shia sollte bei Besprechungen hervorgehoben werden. Ob positiv oder negativ hat er nicht gesagt. Erstmal kann ich mir nie merken, wo ich den schon mal gesehen habe, diesen Shia LaBeouf, aber gelesen habe ich den Namen schon in einigen Filmvorspännen (auch wenn ich da wegen des Vorname meist angenommen habe, dass es sich um eine Dame handele). Habe gerade noch mal in die IMDB geschaut und entdeckt, dass er schon so einiges gemacht hat, was ich auch gesehen habe: "Constantine", "I, Robot", "Charlie’s Angels: Full Throttle" und "Holes".
Alles als Filme (bis auf "Holes") keine guten Referenzen und ich kann mich auch bei allen (bis auf "Holes") nicht an ihn erinnern. Der neue Jungstar stellt (in diesen Szenen) an Farblosigkeit einiges in den Schatten, was man in den letzten Jahren für vergessenswert hielt. Und die Gerüchte, dass er im vierten "Indiana Jones" mit eine der Hauptrollen spielen soll, stimmt mich nach heute erst einmal besorgt. Mit einem Hauptdarsteller, der als Protagonist einem die Möglichkeit gibt, sich für das, was da auf der Leinwand passiert, zu interessieren, hätte da einiges schon anders aussehen können...

Aber das waren ja auch nur 30 Minuten aus einer unfertigen Fassung. Vielleicht sieht das mit dem Rest im Sommer ja schon ganz anders aus. Aber ich bin jetzt – trotz meines anfänglichen Interesses doch unsicher geworden, ob ich mir das fertige Produkt überhaupt im Kino ansehen werde – oder doch dann später nur in die DVD rein schauen werde. (Obwohl der Trailer immer noch nett aussieht – habe ihn gerade noch mal im Netz angeschaut während ich das hier schreibe – aber wie viele Enttäuschungen hat schon gesehen, bei denen man sich hinterher gewünscht hat, man hätte den Film, den der Trailer versprach, gesehen).



Aber diese vier Szenen werden im Film immer noch (mehr oder weniger) so drin sein und das reicht schon, um eine Vorstellung davon zu vermitteln, wie furchtbar der Rest aussehen wird. Denn die Schauspieler (Sam, Mikaela, Sams Eltern und die Soldatentruppe) werden im Rest auch mitspielen und meine Hoffnung, daß Michael Bay sie im Rest des Films weniger furchtbar inszeniert hat, hat auch wenig Chancen darauf, wahr zu werden.
Was ist aus den Amblin-Filmen der 80er geworden? Man müßte sich doch eigentlich bei dem Thema an die Filme von Joe Dante erinnert fühlen.
Es ist eigentlich sein Thema: ein Junge, der in ein übergroßes Abenteuer stolpert und öfter mal mit phantastischen Wesen gegen eine böse Übermacht kämpfen muß ("Gremlins", "Explorers" oder besonders in diesem Vergleich auch "Small Soldiers"). Aber es ist eben nicht nur das Thema, sondern auch die Umsetzung.
Joe Dante ist eben einer von den wirklich Guten und Michael Bay mag kommerziell erfolgreicher sein, wird aber mit seiner gelackten Ästhetik (die fast immer aussieht wie ein schlechter, viel zu teurer Werbespot) nie auch nur einen Bruchteil vom Spaß oder dem Gefühl von Dantes Filmen erreichen.
Unter weniger begabten Regisseuren hätten Filme wie "Young Sherlock Holmes", "Back To The Future" und "Gremlins" auch trost- und seelenlose Machwerke à la "Fast and the Furious" werden können oder à la "Transformers".



DM, March-2007

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