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THE NEW WORLD

THE NEW WORLD (2005)

Regie: Terrence Malick

Drehbuch
: Terrence Malick
Darsteller: Colin Farrell, Q'Orianka Kilcher, Christian Bale

Kamera: Emmanuel Lubezki

Schnitt: Richard Chew, Hank Corwin
                              

Musik: James Horner


Laufzeit
: 135 min.

Dt. Start: 02.03.06

Verleih: Warner


Und hier eine Review von unserem Aussendienstreporter in Südafrika.
Ich hatte ihm gesagt, dass es in THE NEW WORLD um Amerika geht, aber er wollte nach Afrika.

Nun gut, hier die Review zu Terrence Malick's neuem Film:


Das erste, was ich von THE NEW WORLD gesehen habe, war ein Webspecial. Darin erzählten alle Mitwirkenden, wie toll sie doch die Arbeit mit Terrence
Malick fanden und was er doch für ein Genie sei. Solche Lobhudeleien finde ich ja immer sehr nervig und bin dann auch recht skeptisch.

So habe ich mich dann in THE NEW WORLD gesetzt und muss sagen, entweder ich habe den Film nicht verstanden oder er ist einfach nur über lange Strecken wahnsinnig langweilig. Vielleicht hätte Malick lieber einen Naturfilm drehen sollen, denn ich hatte das Gefühl, er interessiert sich mehr
für die Landschaft als für die Story. "Style over substance" deluxe.
Anscheinend ist Mr. Malick so ein Genie, dass er sich nicht um die
Grundregeln des story telling und der vernünftigen Anschlüsse zu scheren
braucht.

Mich haben diese Löcher in der story und in der Inszenierung richtig wütend gemacht, weil mich sowas tierisch nervt. Erst sitzt Smith (Colin Farrell) im Knast, dann ist er wieder frei und soll eine Expedition führen. Auf einmal haben sie einen Gefangenen, keiner weiss woher. Auf einmal ist Smith alleine, auf einmal ist er im Sumpf und auf einmal ist er gefangen.
Dann soll er umgebracht werden, dann doch nicht. Dann kann er gehen. All das passiert manchmal innerhalb von zwei oder drei Einstellungen. Manchmal
hängt die story für (gefühlte) Stunden und Pocahontas wandert wieder und wieder durchs Feld oder Smith glotzt ihr nach und dann wieder geht alles zack, zack ohne Rücksicht auf Logik. Wenn Pocahontas den zweiten Typen heiratet, dessen Namen ich nicht weiss, geht alles ganz schnell - heiraten - Kind als Säugling - Kind als 6 jähriger - ab nach England.
Alles in maximal 8 Minuten. Dann wird aber wieder für mindestens 10
Minuten in einem Park rumgelatscht und es passiert rein gar nichts. Darüberhinaus verschwindet das Kind dann zwischenzeitlich komplett aus der Story, um dann kurz vor Schluss wieder aufzutauchen.
Zwischenzeitlich habe ich überhaupt nicht mehr kapiert, ob das Camp jetzt im Krieg mit den Einheimischen ist oder nicht, denn in einer Sequenz wird
noch wild gekämpft (wieso die Engländer erst aus dem Camp rausgehen
und kämpfen, dann wieder drin sind, dann wieder draussen und dann wird
das Camp gestürmt, aber nicht eingenommen, denn kurz danach ist wieder
alles, wie es war) und dann ist wieder Frieden. Wieso Smith Pocahontas
überhaupt verlässt habe ich übrigens auch nicht kapiert. Ausserdem
sind die Dialoganschlüsse manchmal dermassen schlecht, das schon fast
Amateurfilmniveau erreicht wird.

Natürlich sind es wunderschöne Bilder und manche Aufnahme sind einfach toll (in einer Einstellung fährt die Kamera um Pocahontas herum und im Hintergrund sind - echte - Gewitterblitze zu sehen, perfekt), aber das macht nun mal keinen SPIELfilm aus. Ausserdem wird man irgendwann einfach müde und möchte einfach mal, das etwas passiert. Über die Schauspieler kann man nicht viel sagen, die Männer beschränken sich darauf, Pocahontas hinterher zu glotzen und Pocahontas beschränkt sich darauf, durchs Gras zu wandern. Irgendwie habe ich das Gefuehl, das sie die Hälfte der eigentlichen story rausgeschnitten haben, weil alles so fragmentarisch bleibt. Ich würde sagen, der Anteil zwischen Naturaufnahmen und eigentlicher story ist 60:40, höchstens.

Ich werde ausserdem nie verstehen, warum man einen 1a Komponisten wie
James Horner oder Hans Zimmer engagiert, sie Musik aufnehmen lässt nur um dann alles wieder rauszuschmeissen und Mozart oder Wagner zu nehmen. So bleibt auch die Musik seltsam fragmentarisch, blendet scheinbar beliebig aus und ein und wiederholt sich ständig. Die Entscheidung, für Smith und Pocahontas ein Stück von Mozart wie einen Popsong zu nehmen und einfach über jede Szene zwischen den beiden zu klatschen halte ich für höchst fragwürdig. So geht wahnsinnig wie Emotionalität verloren und die
Beziehung zwischen Pocahontas und dem anderen Engländer hat durch den
verwendeten Score bei mir mehr Resonanz gehabt.

Alles in allem fand ich den Film unausgegoren, fragmentarisch und über
weite Teile uninteressant. Aber ich schätze, ein Genie kann sich sowas
leisten.....

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