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INGLOURIOUS BASTERDS

INGLOURIOUS BASTERDS (2009)

Regie: Quentin Tarantino
Drehbuch: Quentin Tarantino

Darsteller: Brad Pitt, Diane Kruger, Eli Roth, Mélanie Laurent, Christoph Waltz, Daniel Brühl, Samm Levine, Mike Myers, Til Schweiger

Kamera: Robert Richardson
Schnitt: Sally Menke
Musik: Various

Laufzeit: 150 min.
Dt. Start: 20.08.09
Verleih: Universal Pictures Germany


Ohne Zweifel gehört Quentin Tarantino auch knapp 15 Jahre nach seinem furiosen Welterfolg mit „Pulp Fiction“ zu den aufregendsten Kreativen des modernen Kinos. Mit seinem neuen Film, der zu großen Teilen in Deutschland gedreht wird, schreibt er das erste Mal ‚historische’ Geschichte und bringt ein leidenschaftliches Rache-Abenteuer auf die Leinwand.

Im deutsch besetzten Frankreich muss Shosanna Dreyfus (Mélanie Laurent) mit ansehen, wie ihre Familie durch den Nazi-Oberst Hans Landa (Christoph Waltz) brutal hingerichtet wird. Nur knapp kann sie entkommen und fl ieht nach Paris, wo sie sich als Kinobesitzerin eine neue Identität und Existenz aufbaut.
Zur gleichen Zeit formt Offizier Aldo Raine (Brad Pitt) eine Elitetruppe aus jüdischen Soldaten, die gezielte Vergeltungsschläge gegen Nazis und Kollaborateure durchführen soll. Gemeinsam mit seinen 8 Männern wird er in Frankreich abgesetzt, um dort unterzutauchen und in Guerilla-Einsätzen Nazis zu jagen und töten.

Schon bald werden sie von den Deutschen als ‚Die Bastarde’ gefürchtet. Als der Plan reift, die Anführer des Dritten Reichs auszuschalten, nimmt Raines Einheit Kontakt zu der deutschen Schauspielerin und Undercover-Agentin des Widerstands Bridget von Hammersmark (Diane Kruger) auf, die entscheidend für das Gelingen des Anschlags ist.

Die gemeinsame Mission führt sie schließlich alle in das Pariser Kino von Shosanna, die allerdings seit langem ihre eigenen Rachepläne verfolgt... Tarantino wagt sich an ein schwieriges Thema, das er mit großen Stars genial inszeniert.



Review:

Wie fange ich eine Review zu INGLOURIOUS BASTERDS an?

Ich der GreekGeek, der seit 1994 ein großer Hasser von Quentin Tarantino ist. Ich kann mich noch an manches Rede-Duell mit GreekGeek Reporter DM erinnern. Ich konnte PULP FICTION nichts abgewinnen, hab die VHS von RESERVOIR DOGS teilweise vorgespult und gesehen, dass die Akteuer außer viel labern und killen nicht mehr gemacht haben. JACKIE BROWN war ok, aber auch nix zum wegschmelzen. Aber 2003 bekam ich plötzlich, mit dem ersten Volume der KILL BILL Saga, Lust auf den Regisseur.
Die hielt auch nur diesen einen Film an, da mich Volume 2 in die Kinosessel gelangweilt hat.
Diese ellenlangen Dia- bzw. Mono-loge...
Kann mich noch erinnern wie die „Bride“ lebendig begraben wurde und minutenlang am Innendeckel des Sarges kratzte oder so.
Kurzentschlossen besuchte ich zur Abwechslung das WC (was ich nie während einer Vorstellung tue).
Als ich zurückkam und Mr.Zero (mit dem ich drin saß) fragte ob ich was verpasst hätte, wiess er schlaftrunken darauf hin, dass sie immer noch da drin steckt.
Und DEATHPROOF (siehe GreekGeek’s Review) hat dann auf ewig bewiesen, dass er doch vielleicht ein „One/Two Hit Wonder“ ist, dessen „Wonder“ mir nicht so einleuchtete.
Ich kann verstehen, dass sich Leute die sich sonst nicht mit Filmen befassen, es toll finden, dass seine Filme „anders“ sind.
Das sind genau die Leute - wie heißen die noch mal – Gegenbeispielsortierer, die sich einen Big Mac angucken und rumquacken „muss denn da oben und unten ein Brötchen dran sein“?
Jedenfalls, zurück zu INGLOURIOUS BASTERDS, dem langgeplanten Projekt von Mr. Tarantino:

Scheiße, ich mochte den Film!

Kann’s nicht glauben, aber er hat nicht genervt, nicht gelangweilt, hatte einen Spannungsbogen, sehr gute Darsteller, wohl temperierten Humor (obwohl ein paar Pressefritzen links und rechts neben mir auf Tarantino-Modus geschaltet hatten – „muss gut sein“ – und bei Szenen gekichert und sich selber eingenstanden wie clever sie sind, dass sie den Bitter-bösen-Gag verstanden haben, wo es eigentlich nichts zu kichern gab.)
Ich glaube viele von den Pseudointelektuellen die das PULP FICTION CD-Album auf jedem Geburtstag rauf und runter spielen, werden mit ihrem vorprogrammierten „ah ja, dass is ja so wie da-und-da“ nicht klarkommen.
Oder sie sitzen neben euch und kichern auch bei den nicht witzig gemeinten Szenen.
Für 150 Minuten ist der Film eindeutig zu lang, langweilt aber nicht.



INGLOURIOUS BASTERDS ist, wie viele Tarantino Filme, in Kapitel aufgeteilt und dies bricht ein wenig, (also bei mir) das erraten der Aktstruktur.
Aber dass die BASTERDS selber nicht die Hauptfiguren der Film-Story sind, hat die hiesige Presse noch nicht so richtig klargestellt.
Ich weiß auch gar nicht wieso Tarantino nach mehrmaligem umschreiben des Drehbuchs, in den letzten 10 Jahren, den Titel beibehalten hat wenn sich der Rest veränderte.
Eine richtige Hauptfigur gibt es zwar nicht, und im Vergleich zur wunderschönen Melanie Laurent (siehe GreekGeeks „Belle de l’instant“) als Shosanna Dreyfuss, Christoph Waltz als Col. Hans Landa und Daniel Brühl als Fredrick Zoller, hat z.b. Brad Pitt als Lt.Aldo Raine weitaus weniger zu tun. Waltz spielt zwar seine Rolle großartig, aber - bevor hier die Lobeshymnen explodieren - es fehlten ein paar Nuancen die ihn zum „absolut“ perfekten Gegenspieler gemacht hätten.
Zu oft benimmt sich sein Charakter nach exakt dem gleichen Schema. Erst freundich, dann unheimlich, dann wieder freundlich und dann tödlich. Ein paar Überraschungen hätten der Rolle gut getan. Bei jedem Auftritt von Hans Landa möchte man am liebsten - wie beim Kasper-Theater – die anderen auf der Leinwand warnen, weil man eben exakt seine Züge kennt.
Schade!
Aber die Höhepunkte des Films sind ALLE Szenen mit der wunderschönen (oh, ich wiederhole mich...) Melanie Laurent als Besitzerin des sich in Frankreich befinden Kinos.
Alle ihre Szenen – insbesondere die mit Daniel Brühl – haben etwas zeitlos schönes, etwas zeitlos gutes!
Vor allem klingen beide Rollen nicht, wie sonst bei Tarantino, wie er (der Drehbuchautor) selber.
Ich möchte nicht im Kino sitzen und mir genau vorstellen wie der Autor selber die Dialoge spricht.
Dies ist leider mal wieder der Fall bei allen Rollen der Basterds Gruppe, und Teile von Landa.

Sehr angetan war ich auch von der kurzen, aber sehr prägnanten, Rolle von Michael Fassbinder als englischer Spion Lt. Archie Hicox.
Man kann sich ihn schon mal vormerken wenn Daniel Craig zu alt für die „Rolle“ wird.



Sehr cool auch (in der Pressevorstellung lief die Originalversion, also weiß ich nicht ob sie es in der deutschen beibelassen) fand ich auch das Mehrsprachige. Jeder Charakter hat seine Sprache gesprochen, bzw. die gebildeten Nationalsozialisten gleich mehrere.
Allein deswegen wirkten die französischen Szenen zwischen Melanie Laurent und Daniel Brühl umso schöner. Ich hatte, dass Gefühl in einem Truffaut Film aus den 70ern zu sitzen. Überhaupt versucht INGLOURIOUS BASTERDS (genau wie die meisten Filme von Tarantino) die Film-Machart der 70er aufleben zu lassen.
Dabei soll INGLOURIOUS BASTERDS kein Antikriegsfilm sein, sondern eher die billige Variante aus z.b. Italien aus den 70ern.
Sogar der Sound des Vorspanns (ihr müßt mal drauf achten) ist absichtlich schrebelich und leiert ein wenig.
Ok, dies war auch das beste an KILL BILL, aber INGLOURIOUS BASTERDS hält diese Film-Verspieltheit auch in den ganze 150 Minuten.
Auch die liebevollen Szenen in und um das Kino herum lassen das Kino-Liebhaber-Herz höher schlagen.
Ausserdem wird kurz auf die Filmlandschaft der 20er und 30er Jahre Bezug genommen.
Nicht nur bei dem großartigen KING KONG Witz in der spannendsten Szene des Films
(die mit August Diehl, Diane Krüger und Till Schweiger im Keller) – Yep, Till nervt auch nicht...



Äußert angenehm fand ich auch, dass das Filmteam nicht versucht hat das „Zweite Weltkriegs – Kino“ zu revolutionieren.
Die Standards die SAVING PRIVATE RYAN 1998 gesetzt hat werden seit dem von jedem Film der in dieser Ära spielt genutzt.
Leider hatte ich mir aber von einem „Kriegs“-Film mehr Action und eben die Art der 60er Jahre Kriegs-Action-Filme vorgestellt und nicht unbedingt den RYAN Look.
Und dies hält INGLOURIOUS BASTERDS eben nicht ein. Das ganze wirkt eher wie ein kleiner Film der auf bestimmten Kulissen eines Studio Geländes (in diesem Fall in den Babelberg Studios) gedreht wurde.
Im Vergleich dazu sehen Filme wie VALKYRIE und sogar der weitaus günstigere ZWARTBOEK wie Mega-Spektakel aus.
Apropos VALKYRIE: habe den Bryan Singer Film erst nach INGLOURIOUS BASTERDS gesehen
(habs echt nicht im Kino geschafft – ja,ja finde ich peinlich von mir...)
Man darf die beiden Filme auf keinen Fall vergleichen. Das einzige was sie im Wesentlichen gemein haben ist, dass sie beide Hommagen an Kriegsfilme aus einer anderen Zeit sind.
Bei VALKYRIE sind es eben die edlen Kriegs-Thriller aus dem England der 60er Jahre und bei INGLOURIOUS BASTERDS sind es die trashigen aus dem Italien der 70er.
Jeder steht für sich.

Und, Mr. Tarantino, wenn du schon behauptest, dass du in deinem Film etwas erreichst was Tom Cruise als Stauffenberg in seinem Film nicht schaffte – dann mach auch was draus.
Die Tatsache allein, dass er etwas tut, dass die Geschichte ab da an verändern könnte reicht nicht.
Ich will hier nichts spoilern, aber außer das es passiert, „passiert“ nichts.

FAZIT:

Ok, einige Schwächen hat der Film.
Und INGLOURIOUS BASTERDS kommt auch nicht an den doch schon am ehesten vergleichbaren ZWARTBOEK ran.
Aber dafür, dass es der erste Tarantino Film ist den ich mir ein zweites Mal angucke und vielleicht als Blu-ray kaufe hat er mehr als genug für mich zu bieten.


GreekGeek - Juli, 26, 2009



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